Performance zur Ausstellung „Der Gedanken Freiheit“ begeistert

220913 220911 Performance Ausstellung Auferstehungskirche 2Die Freiheit der Gedanken – der Begriff meint weit mehr als geistige Unabhängigkeit. Denn die Freiheit der Gedanken ist der Ursprung aller formgebenden Kräfte – ganz besonders in der Kunst. Eindrucksvoll zeigt dies die Malerin Elisabeth Lasche mit ihrer derzeitigen Ausstellung „Der Gedanken Freiheit“. Am Sonntagabend haben zwei Musiker und zwei Tänzerinnen das Thema dieser Ausstellung in Klang und Bewegung umgesetzt – und damit ein sinnliches Gesamtkunstwerk geschaffen, das die Besucher als Geschenk in den Herzen mitnehmen und weitertragen dürften, wie es Pfarrerin Susanne Böhringer vom Kulturreferat “KuK!” im Evangelischen Kirchenkreis Vlotho formulierte.

Während der gut einstündigen Performance haben Bernd Wilden (Orgel und Piano) und Robin Stüwe (Trompete) im Wechsel mit Carla Bonsoms i Barra (Tanzensemble Theater Bielefeld) und Noriko Nishidate (Ensemble TANZ Bielefeld) Töne bewegt und Bewegung betont. Haben ihr Verständnis von Freiheit den Zuschauern zugeworfen: in anmutigem Tanz, in ehrwürdiger Musik. Aber auch in frecher, wilder Individualität, in Improvisation und Entgrenzung. Der Bielefelder Komponist und Musiker Bernd Wilden eröffnete am Piano mit Bachs Präludium cis-Moll aus dem “Wohltemperierten Klavier”. Feierlich schwebten die Töne durch den Altarraum, dabei gläsern und leicht als tänzelten sie um das Thema. Diese Stimmung fing Robin Stüwe auf, jazzte mit seiner Trompete mitten hinein in diese vorsichtige Eleganz, die da vom Piano kam. Anfangs wie hingetupft, kleine Klanginseln. Doch dann wurde die Improvisation immer mutiger: In vollem, satten Jazz-Sound warfen sich schließlich Pianist und Trompeter die Töne zu. Ein Duo, das doch keines war; zwei Solitäre, die im Moment der Musik zusammenfanden, aber ihrer Freiheit mit jedem Takt Tribut zollten.

 

Tanz vor der Leinwand zur Musik

Dann ging der Blick der Zuschauenden ins rechte seitliche Kirchenschiff: Vor der großformatigen Bilderwand aus sechs Elementen, von Elisabeth Lasche als „Jeder Gedanke fliegt“ überschrieben, tanzten Carla Bonsoms i Barra und Noriko Nishidate den Auftakt einer vorsichtigen Begegnung. Zu Bachs Präludium f-Moll näherten sich beide an, aber zogen sich sogleich wieder zurück. Erforschten einander zaghaft, erst mit Blicken, dann mit Berührungen – um dann doch, eine jede für sich, wieder eigene Wege zu gehen. Da gab es Spagat-Sprünge zu sehen, wie man sie aus dem Ballett kennt, aber auch Bewegungen, die an asiatische Kampfkunst erinnerten. Mal hochgeschmeidig schlangenhaft, dann wieder kantig und kühl, besonders zum Schluss zu der abstrakten Toneinspielung von Tim Heckers „Chimeras“, die so gegenstandslos schien wie das Kunstwerk an der Wand. Das Gemeinsame der Tanzenden blieb unerreicht - oder wurde es verpasst?

Während diese Performance innerlich noch nachklang, stimmte die Orgel von der Empore Auszüge aus Jean Langlais „Hommage à Frescobaldi“ an. Wie mit großen, kraftvollen Schritten durchmaß die Trompete während der drei Sätze den Klangraum der Orgel; forsch und selbstbewusst. Am Ende fanden sie zusammen im großen Schlussakkord, der Meister an den Manualen und der Meister an den Ventilen.

Carla Bonsoms i Barra und Noriko Nishidate tanzten noch ein zweites Mal, diesmal im Altarraum. Zur Einspielung des rhythmusambitionierten Stücks „Face Duett“ des griechischen Musikers Vassilis Mantzoukis rasten sie aufeinander zu, um sich zu umschlingen und im nächsten Moment wieder voneinander loszureißen. Pendelbewegungen, auslandende Sprünge, come and go. Ein anschließender sanfter Gesang in arabischer Sprache brachte Ruhe auch in die Bewegung: synchrone, fließende Moves, die Hände auf dem Herzen.

Nach dieser Fülle an Tanzkunst kam noch einmal die Musik zu Wort: Ein finaler Dialog von Orgel und Trompete färbte das soeben Gesehene noch einmal musikalisch nach und ließ den bemerkenswerten Abend ausklingen.