44. Literaturgottesdienst zum Auftakt der „Poetischen Quellen“

200829_litgo_web.jpgDas internationale Literaturfest „Poetische Quellen“ in Bad Oeynhausen ist mit einem besonderen Literaturgottesdienst in der Auferstehungskirche am Kurpark gestartet. Der mittlerweile 44. Gottesdienst dieser besonderen Form musste wie alle anderen Veranstaltungen des Literaturfestes unter besonderen Corona-Hygienevorgaben stattfinden.

Die 150 festen Plätze in der größten Kirche im Kirchenkreis waren bereits vor der Veranstaltung ausgebucht. Zur inoffiziellen Eröffnung der Poetischen Quellen, die in diesem Jahr unter dem Motto „Literatur und Widerstand“ stehen, wurde aus dem dritten und letzten Teil der Teilacher Trilogie „Herr Klee und Herr Feld“ gelesen. Wirkungsvolle Ausschnitte brachten einen humorvollen und zugleich tiefgründigen Einblick in das Werk von Michel Bergmann.

Musikalisch untermalt wurde der Gottesdienst vom Duo „Diaspora“ aus Detmold. Mike Pigorsch (Gitarre) und Beate Ramisch (Gesang und Melodica) spielten Chansons und Klezmer-Klänge passend zu den verlesenen Textstellen. Die Besucher erlebten eine literarische Reise und begleiteten das Leben der jüdischen Brüder Kleefeld und ihrer neuen Haushälterin Zamira.

Psychologieprofessor Moritz Kleefeld und sein Bruder Alfred, ein ehemaliger Dracula-Darsteller, teilen sich im Verlauf des Romans buchstäblich ihren Nachnamen („Herr Feld und Herr Klee“). Die langjährige Haushälterin der Brüder kündigt plötzlich, deshalb muss Ersatz gefunden werden. In der jungen und zugleich schönen Zamira finden sie eine adäquate Lösung. Zunächst waren Moritz und Alfred Kleefeld irritiert, denn Zamira war Palästinenserin. Verschiedene Alltagsszenarien wurden vom Team des Literaturgottesdienstes in verschiedenen Rollen gelesen. Es entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den drei ungleichen Protagonisten. Gespräche über Politik, Konflikte und Religionen entstehen. Verkrustete Schemen werden aufgebrochen. „Wo die Gründe im Antisemitismus liegen weiß niemand. Menschen, die einander kennen und Wissen über Kultur und Gesellschaft haben könne sich nicht hassen“, sagt Moritz Kleefeld. Der schlaue Moritz und der spröde Alfred sowie Zamira erkennen, dass Musik etwas Zentrales in ihrem Leben darstellt. Sie verbindet Leben. Sie erkennen auch, dass Religionen eine Zugehörigkeit anzeigen, die nicht ausgrenzen muss, sondern verbindet. Toleranz und Vielfalt im Glauben waren die fokussierten Gedanken des Romans. Gott sei in jedem. Vernünftige, die ein besseres Leben haben wollen seien in der Überzahl. Andere die nur angeblichen Gottesbefehlen folgen würden seien nur wenige. Pfarrer Lars Kunkel ging in seiner Predigt auf die Inhalte des Buches ein und stellte dar: „Religion ist gleichgültig. Judentum, Islam, Christentum und weitere haben alle die gleiche Gültigkeit. Leidenschaftliche Gespräche und entstehende Freundschaften gehen über Grenzen hinaus.“ Für alle werde eine Religion Teil der eigenen Identität. Religion sei Teil unseres Lebens. Alle Menschen können voneinander lernen und in Frieden und mit Respekt gegenüber dem anderen leben. „Im gemeinsamen Leben werden verschiedene Religionen zweitrangig. Religionen sind Wege sich der Göttlichkeit zu nähern. Es besteht eine gewisse Widerstandsfähigkeit gegen lebensfeindliche Kräfte. Ein lebendiger Glaube ist offen für Vielfalt“, fasst Lars Kunkel zusammen. Die Predigt aus dem 44. Literaturgottesdienst gibt es auf www.kirchenkreis-vlotho.de